Am Samstag war es soweit, endlich durfte Jay Jay auch zum Wesenstest antreten.
Ist ja nicht so einfach gewesen überhaupt einen Platz zu bekommen, umso mehr
habe ich mich gefreut, dass wir in der Nähe von Himmelpforten angenommen wurden.
Der Test fand auf Gut Kuhla statt. Ein sehr schönes Fleckchen Erde. Dafür
mussten wir dann auch schon vor dem Aufstehen losfahren.
Egal, macht man ja
nicht so oft und es ist auch kaum zu glauben, ich habe den Treffpunkt auf Anhieb
gefunden. War sogar mehr als eine halbe Stunde zu früh. Wir sollten 30 Minuten
vorher da sein, um mit den Hunden noch eine Runde gehen zu können. Auf dem
Parkplatz standen einige Autos, aber weit und breit kein Hund und kein Mensch zu
sehen. Als erstes ratterte es in meinem Gehirn: Bist du zu spät? Sollten wir uns
schon um 7.30 und nicht um 8.30 Uhr treffen? Oder hast du dich doch verfahren?
Also den Zettel schnell in die Hand genommen, Uhrzeit gecheckt, Adresse und
Wegbeschreibung gecheckt. Alles richtig. Ok, es ist ja auch erst 7.55 Uhr.
Vielleicht kommen die anderen alle später? Für mich ein Horror, wenn ich da so
ganz allein bin, denn ich bin Weltmeister im Verfahren.
Zu spät kommen
kann man mir allerdings nicht nachsagen. Da ich mich immer verfahre (auch wenn
ich schon 10 mal da war
) fahre ich immer
sehr rechtzeitig los. Und während ich noch überlegte, kam das nächste Auto -
eindeutig mit ner Hundebox hinten drin.
Da
war ich dann erleichtert. Und schon kamen weitere Autos.
Beruhigt habe
ich also die Hunde ausgepackt (Dottie durfte als Verstärkung mit, die ist aber
auch nicht Schusscheu). Wenn man mehrere Hunde hat, muss man sich schließlich
auch um sie kümmern. Aiden war derweil mit dem Papa unterwegs auf einer anderen
Veranstaltung und hatte einen wunderschönen Tag und wurde von fremden Leuten mit
Streicheleinheiten und Leckereien verwöhnt.
Ich bin dann also mit den beiden Mädels ein Stück gegangen. Artig haben beide
schon nach ein paar Metern ihr Geschäft verrichtet. Gut, wenn die Hunde gelernt
haben das auf Aufforderung recht schnell zu erledigen.
Das macht einem
das Leben auf Prüfungen echt einfach. Hab schon soooo oft Leute gesehen die
schwitzend durch die Gegend liefen und völlig mit den Nerven am Ende waren, weil
Hund keinen Haufen machte und sie gleich in die Prüfung müssen.
Dann durften
die beiden Mädels noch ein bisschen auf ner gemähten Wiese flitzen und die
überschüssige Energie loswerden. Spaziergang gabs nämlich morgens noch nicht zu
der Uhrzeit. 
Dann
kam die Organisatorin und wir durften uns anmelden. Ging alles schnell und easy
und wir bekamen jeder einen Zettel mit der Startreihenfolge in die Hand
gedrückt. Jay Jay und ich waren Nummer 8 von 9. Nun ging alles ganz schnell.
Hunde ins Auto, Hund Nummer 1 durfte mit und Abmarsch über das Gut nach hinten
vor eine Weide mit angrenzendem Wald. Hier begrüßte uns Sabine Lamm, die mir von
Anfang an sympathisch war und die sich im Laufe des Tages als noch sympathischer
herausstellte
. Sehr nett, sehr
fair, gutes Auge, immer gute Erklärungen und nie ungeduldig. Und vor allem
stellte sie sich auf jeden Hund ein und er bekam die Zeit für die Aufgaben die
er brauchte. Ihr war wichtig, dass der Hund die Sachen auch wirklich
abgearbeitet und nicht irgendwie überstanden hatte. Das fand ich sehr gut.
Zuerst einmal begrüßte sie uns und erklärte uns dann den Ablauf des Tests. Wir
mussten alle bei jedem Test helfen und das klappte auch wirklich gut. Der erste
Teil des Wesenstest fand vor der Wiese statt, der zweite Teil auf der Wiese, wo
wir dann als Gruppe helfen sollten und der dritte dann von der Wiese runter und
durch einen Parcours im Wald. Diesen Parcours sind wir dann auch gemeinsam
abgegangen und Frau Lamm hat uns erklärt wozu die einzelnen Sachen sind und wie
der Hund sie absolvieren soll. Bei einigen brauchte sie Helfer und erklärte wann
wir was zu machen hätten. Es gab für jede einzelne Aufgabe eine Aufforderung
sich bereit zu machen und dann die Aufforderung diesen Prüfungsteil
"auszulösen".
Mir rauchte der Kopf, das war ganz schön viel.
Aber kein
Problem, wir mussten uns das nämlich nicht merken, sondern sie sagte jedem
einzelnen noch einmal im Wesenstest vorher was man nun machen sollte. Das war
auch wichtig, denn eigentlich sollten wir gar nichts machen mit unserem Hund.
Lediglich mal wieder in unsere Richtung rufen, wenn der Hund sich allzu weit
entfernte. Na ich war gespannt.
Und ich war froh,
dass ich nicht die erste war. Der komplette Wesenstest sollte mit dem Hund ohne
großes Reden, ohne Füttern und möglichst ohne irgendeinem Unterordnungsbefehl
absolviert werden. Wenn der Hund doch etwas brauchte um ihn zu leiten, dann
sollte man das möglichst ohne die gelernten Worte machen, damit der Hund nicht
in den Unterordnungsmodus fällt (oder so
).
Nun ging
es los. Hund Nummer 1, eine dreijährige Golden Retriever Hündin, begann. Für
mein empfinden war das der längste Test. Aber ich glaube das war nur deswegen
so, weil ich nicht genau wusste was als nächstes kam und auch die Helfer noch
mehr Anweisungen brauchten bis wir das taten was wir sollten.
Hut ab, dass
Frau Lamm mit uns so geduldig war. Aber mit jedem Test wurden wir besser und nun
sind wir alle Wesenstest-Helfer-Profis.
Es war
tatsächlich so, dass mir die ersten Tests sehr lang vorkamen, die letzen, und
der von Jay Jay und mir sowieso, am kürzesten. Dann war es so weit. Hund Nummer
7 ging in den Test und sobald wir mit der Gruppe fertig waren (da mussten alle
helfen weil wir sonst zu wenige gewesen wären), verschwand ich zum Parkplatz um
die Jay Jay zu holen und noch mal kurz mit ihr Gassi zu gehen. Während der
letzte Hund noch den Rest absolvierte, wartete ich schon mal vor der Weide. So
konnte sich Jay Jay schon mal ein wenig aklimatisieren. Dann schrieb die
Richterin noch jede Menge auf und los gings für uns.
Zuerst Begrüßung.
Frau Lamm sagte mir und vor allem auch Jay Jay noch mal Hallo, prüfte ob Jay Jay
sich die Zähne anschauen lässt und begann damit mich über meine Maus
auszufragen. Ich musste Fragen beantworten wie:
- wie ist der Rufname des
Hundes?
- wie alt ist Jay Jay?
- ist sie kastriert?
- wann war sie das
erste Mal läufig?
- wann war sie das letzte Mal läufig?
- ist sie
gesund?
- war sie schon einmal krank?
- bekommt sie Medikamente?
- in
welchem Alter ist sie zu uns gekommen?
- wann habe ich mit der Erziehung
begonnen?
- wo lebt sie? Ländlich? In der Stadt?
- wird der Hund viel
mitgenommen?
- mit wie vielen Personen lebt sie zusammen?
- gibt es andere
Hunde? Wenn ja welche Rassen?
- hatte ich davor schon andere Rassen?
- mag
sie lange Autofahrten?
- ist sie schon mal nachhaltig von etwas schwer
beeindruckt gewesen?
- War sie in einer Welpengruppe?
- möchte ich später
ausbildungsmäßig etwas mit ihr machen? Wenn ja was?
- wer bildet den Hund
aus?
- hat sie bereits Prüfungen absolviert, wenn ja welche?
Mehr
fällt mir nicht ein und ich habe was solche Erinnerungen angeht ein sehr, sehr
gutes Gedächtnis. 
Jetzt
durfte ich sie von der Leine lassen und wir gingen auf die Weide. Jay Jay lief
natürlich sofort los, guckte kurz und als von mir nix kam machte sie ihr Ding
und lief kreuz und quer über die Wiese. Ich glaube sie hat alle Spuren, die die
anderen zuvor hinterlassen haben einmal abgeschnüffelt.
Ich sollte
nun zügig zur Mitte der Wiese gehen und immer wenn Jay Jay vor mir läuft
umdrehen und in die entgegengesetzte Richtung gehen. Und obwohl Jay Jay die Nase
ständig am Boden hatte reagierte sie auf meine Richtungsänderungen. Von mir
nichts gesagt zu bekommen fand sie ja mal richtig klasse. 
Mittlerweile
war es nicht nur schwül, es hatte sich stark verdunkelt und es grummelte hörbar.
Na hoffentlich bleibt es trocken solange wir dran sind. 
Nun
mussten die Helfer alle durcheinander laufen und ich sollte mit Jay Jay da
mehrmals durch gehen. Für so etwas hatte sie überhaupt keine Zeit. Da gab es
viel spannenderes! Zum Beispiel war direkt hinter der Gruppe ein kleines Kind
mit irgendwas essbarem in der Hand. Naja, zu mindestens war das essbare in der
Hand des Kindes bevor Jay Jay es gefressen hat. 
Boah war mir das
peinlich! Zum Glück weiß ich ja, dass Jay Jay kleine Kinder nicht umrennt und
ihnen auch nichts anderes antut. Außer halt essen abnehmen.
Und zum Glück war
das Kind das wohl auch gewohnt. Es gab aber auch deutliche Anweisung, dass
Kinder, insbesondere kleine Kinder da nichts (absolut nichts!) zu suchen haben,
weil das einfach zu gefährlich ist, wenn die mal eben umgerannt werden. Jay Jay
hatte nun natürlich immer wieder einen Punkt den sie kontrollieren musste, weil
das, was sie dem Kind da abgenommen hatte natürlich zu Boden gefallen ist.
Könnte ja sein, dass da noch was liegt.
Deswegen
sollte ich sie mehrmals dazu animieren zu mir zu kommen und durch die Menschen
zu gehen. Mein Mädel schaute die Leute freundlich an, aber ansonsten
interessierte sie das Ganze nicht. Die Beurteilung lautete dann auch "läuft
sicher mit dem Führer".
Gleich nachdem wir aus der Gruppe gingen sollte
ich mein Mädchen ohne Spielzeug und ohne Kommando zum Spielen auffordern. Fand
Jay Jay cool.
Beurteilung: "Geht
begeistert darauf ein", "freudig", "zutraulich". Ich gab meinem Mädel zu
verstehen, dass sie nun weiterlaufen durfte und bekam von der Richterin die
nächste Aufgabe erklärt. Spielen mit verschiedenen Spielzeugen. Zuerst warf ich
einen Ball. Hier war das Beuteverhalten sehr gut zu erkennen und auch, dass sie
ausdauernd trägt. Allerdings hatte sie dafür gerade keine Zeit, weil sie
intensiv nach einem Platz zum Wasserlassen suchte. Es war schwülwarm und sowohl
vor, als auch während des Tests mussten wir den Hunden reichlich Wasser
anbieten. Das muss auch wieder raus. Sie kam dann aber mit dem Ball in meine
Richtung. Als nächstes musste ich einen FunMot werfen. Sofort lief Jay Jay dort
hin, fand das Teil uninteressant und ist dann mal weiter schnüffeln gegangen.
Doch bevor wir es aufheben konnten, nahm sie es dann doch lieber mit. Den FunMot
haben wir auch zuhause. Ein Spielzeug das keiner meiner Hunde wirklich braucht
) Als nächstes
bekam ich ein großes Spieltau mit dem ich Jay Jay (auch wieder ohne Kommando)
zum zergeln auffordern sollte. Nachdem ich mit ihr zergelte übergab ich das Tau
der Richterin und Jay Jay sollte auch noch einmal mit ihr zergeln. Hier bekam
sie die Beurteilung, dass sie begeistert mitspielt und sich verbeißt. Wenn sie
ein Fleecezergel gehabt hätte, dann hätte sie mal sehen sollen wie sehr Jay Jay
daran zerren kann.
Aber diese harten
Spieltaue mögen meine Hunde auch nicht. (Die BCs beißen nicht mal rein
).
Nach dem Spielen sollte ich Jay Jay zu mir rufen und sie in die
Seitenlage bringen. Dabei sollte ich sehr behutsam vorgehen um so wenig Stress
wie möglich in den Hund zu bringen. Die Aufgabe machte mir keine Sorgen. Meine
Hunde lassen sich von mir überall auf den Rücken drehen wo ich das gerne möchte.
Ob sie es gut finden ist eine andere Sache.
Und so zeigte
ich meinem Mädel dass sie sich hinlegen sollte, streichelte sie kurz und kippte
sie auf die Seite. Ohne jeglichen Widerstand kippte sie um und rollte sie sich
dann auch auf den Rücken. Wenn Mama das so will, dann mach ich das halt so.
Ich kraulte kurz
den Bauch und legte sie dann auf die Seite. Und schon kam die Richterin langsam
dazu und übernahm Jay Jay in der Seitenlage. Schnell entfernte ich mich die
geforderten 10 Meter und wartete. Beurteilung "kurz widerstrebend/sicher". Wenn
ich stehen geblieben wäre, hätte Jay Jay da jetzt noch bei der Richterin
gelegen, aber dass ich weggehe, DAS geht ja mal gar nicht.
Aber der
Widerstand war nur gering, wenn das so ist, dann ist das so und mein Mädel fügt
sich ihrem Schicksal.
Kaum wurde sie
losgelassen, flitze das kleine Schwarze schnell zu mir. Von mir zwanghaft
getrennt sein ist etwas das man ertragen kann, das man aber nicht ausweiten
muss. 
Zur
Auflockerung sollten nun zwei fremde Personen ohne Hilfsmittel mit Jay Jay
spielen. Ein Mann (wir hatten nur einen dabei und deswegen musste er mit jedem
Hund spielen.
) und eine Frau.
Nacheinander natürlich. Jay Jay geht begeistert auf alles ein. Sie hüpfte
fröhlich mit den Menschen, ließ mich aber nicht eine Sekunde aus den Augen und
kam immer schnell zu mir.
Während ich mit Jay Jay ein Stück weg ging,
stellte sich die Menschengruppe (12 Leute) wieder auf. Dieses Mal in einem
großen V - geöffnet in unsere Richtung. Nach Aufforderung ging ich mit meinem
Mädel in das V, dass sich hinter uns zu einem Kreis schloss, der immer enger
wurde. Meine Aufgabe war es nun Jay Jay möglichst nah bei mir zu halten, was gar
nicht so einfach war, weil sie ständig zwischen allen Leuten durchwuselte. Als
der Kreis fast ganz zusammen war, lockte die Richterin Jay Jay in die Mitte zu
mir und der Kreis wurde geschlossen. Das ist für mein Mädel überhaupt kein
Problem. Sah man ja auch vorher schon, dass sie einfach um die Leute
herumwuselte. Und so schaute sie sich alle mal eben kurz an. Dann hielt die
Richterin sie fest und ich musste die Gruppe verlassen. Sobald sie losgelassen
wurde, machte sie einen Versuch mir nachzukommen. Als sie aber merkte das ihr
der Weg versperrt wird, setzte sie sich artig hin, behielt mich aber gut im
Blick. Sie saß ganz ruhig da und schaute geradeaus in meine Richtung. Als die
Gruppe die Lücken öffnete, indem sie die Beine wieder streckten (wir sollten ein
wenig in die Knie gehen um den Hund besser am durchschlüpfen hindern zu können)
entwischte sie blitzschnell durch eine Lücke an der linken Seite und war sofort
bei mir. Obwohl sie so ruhig dort saß, erkennte sie sofort die Fluchtmöglichkeit
und nutzte sie.
Hier bekam sie die
Bewertungen: "zutraulich", "ordnet sich unter" und "behält Führer im
Blick".
Es ging weiter zum letzten Teil des Tests auf der Wiese. Während
sich die Gruppe entfernte ging ein Schütze zum anderen Ende und nahm
Aufstellung. Jay Jay behielt ihn gut im Blick. 
Was ein Schütze
ist und das der toll ist weiß sie spätestens seit letztem Wochenende.
Und im Test konnte
man auch sehr gut erkennen, das sie nun ans Dummytraining dachte. Ich fand es
sehr interessant zu sehen wie sie reagierte. Wir gingen also gemeinsam auf den
Schützen zu. Jay Jay vorweg. Schuss (ohne das ich stehenbleiben musste). Und Jay
Jay bleibt sofort stocksteif stehen und schaut in Richtung des Schützen. Der
Hals wurde länger und länger. Jay Jay verharrt weiter, dreht sich dann um zu mir
und kommt auf mich zugelaufen. Da von mir ja nun auch nichts kam und ich weiter
in Richtung Schützen ging, lief sie also auch wieder in die Richtung. Schuss.
Und wieder blieb Jay Jay stocksteif stehen und schaute und schaute.
Wieder
suchte sie Hilfe bei mir, indem sie auf mich zukam. Und wieder ging ich einfach
weiter und auch Jay Jay lief weiter in Richtung Schützen. Schuss. Jay Jay war
dieses Mal schon recht dicht am Schützen, blieb wieder stehen und schaut wo denn
wohl das Dummy fliegt. Danach schaute sie sich zu mir um, bekam von mir
keinerlei Information und ging dann halt mal in die Suche über.
Ich musste sie
dann rufen als wir zurückgingen. Na hoffentlich haben ich ihr Vertrauen in mein
Können nun nicht vollends zerstört. Das wäre ja nun das dritte Mal, das sie
nichts gefunden hat und das innerhalb nur einer Woche.
Die
Bewertung: "sicher", "aufmerksam/neugierig", "sucht ausdauernd". Übrigens war
Jay Jay der einzige Hund der überhaupt in die Suche ging.
Jetzt ging es
endlich auf den Parcours. Es grummelte und grummelte und das Gewitter kam immer
näher. Langsam wurde es auch richtig dunkel. Wir gingen von der Weide runter. Am
Tor war der Reiz Nummer 1. Ein Helfer musste, während wir auf ihn zu gingen mit
einem Quietschi quietschen und eine Rassel ertönen lassen. "Jay Jay nimmt kaum
Notiz, interessiert sich für anderes", war unsere Bewertung. Sie guckte
natürlich hin und lief auch zum Helfer um mal eben kurz zu schauen was er da
hat, wendete sich aber schnell wieder den tollen Gerüchen zu, als sie merkte das
das was der Helfer da in der Hand hatte alles andere als interessant war.
Natürlich kontrollierte sie auch noch mal den Fleck wo vorhin der Keks (oder was
auch immer) gelandet ist.
Weiter ging es dann nach rechts in den Wald.
Die Helfer waren alle an ihrem Platz. Diejenigen die nichts zu tun hatten,
durften mitgehen, aber sollten sich so weit entfernen, dass sie den Hund nicht
stören. Als wir um die Ecke gingen, war gleich auf dem Weg der Reiz Nummer 2.
Eine Plane auf dem Boden, darüber ein Seil mit Flatterbändern und Dosendeckeln.
Hier sollte Jay Jay einmal hin und einmal zurück durchgehen. Auch hier "nimmt
kaum Notiz, interessiert sich für anderes". Aber sie ist natürlich
durchgegangen. Aber eher so wie: Ups, da hängt was im Weg.

Weiter ging es den Weg entlang. Jay Jay immer schön vorweg mit der Nase am
Boden. Rechts ging ein Weg ab, in den wir dann als nächstes hineingehen würden.
Aber vorher gabs genau dort den Reiz Nummer 3. Ein Sack mit Dosen darin, der auf
die Erde geworfen werden sollte, dann sofort an einem Band wieder hochgezogen
und noch einmal fallengelassen werden sollte. Das hat mein Mädchen ja mal so gar
nicht interessiert. Sie hat nicht mal angehalten dafür, sondern nur kurz zur
Seite geschaut, so nach dem Motto: Ups, da ist wohl ein Sack umgefallen und ist
weiter ihrer Dinge gegangen. Kein Stutzen, kein Satz nach vorne oder zur Seite,
kein Bellen, Nix. Weil sie weiter geradeaus lief, musste ich sie zurückrufen,
damit wir den Weg abbiegen konnten. Und dann nahm sie auch mal eben kurz die
Nase runter (ähm, ne die war ja die ganze Zeit unten) und schnüffelte kurz den
Sack ab. Uninteressant und weiter.

Von weitem sah ich schon den nächsten Reiz. Die Sachen standen sehr weit
auseinander, so dass die Hunde lange Zeit hatten alles in Ruhe abzuarbeiten.
Bereits in dieser Entfernung bekam der Helfer Order das "Pferd" in Bewegung zu
setzen. Dazu sollte an einem Seil gezogen werden, so dass das Pferd, das auf
einer Platte befestigt war ordentlich wackelte. Zuerst hat mein Mädel das
überhaupt nicht gesehen und lief einfach weiter. Vielleicht lag das auch daran,
dass es mittlerweile echt dunkel geworden ist, weil das Gewitter nahezu über uns
war. Aber plötzlich Vollbremsung, kurzes zögern und weiter ging es. Keine
Kontaktaufnahme, kein Bellen, kein Ausweichen, nix. Ich sollte mich dann zu dem
Pferd stellen und Jay Jay sollte einmal kurz Kontakt aufnehmen. Tat sie. Nase
ran, uninteressant, weiter.
Und schon gab es die Aufforderung für den Helfer für den nächsten Reiz.
Die Kiste war mit einem Seil verbunden, an dem der Helfer, der hinter einem Baum
stand gezogen hat wenn der Hund näher kam. Sobald das geschehen war sollte der
Helfer sich ganz normal bewegen, nicht dass der Hund den auch noch komisch
findet. Da ich die Dosen auch mal bedienen durfte, weiß ich, dass sie noch mit
anderem Klöterkram gefüllt waren und es schepperte ganz ordentlich. Auch hier
machte Jay Jay nur kurz eine Vollbremsung und lief dann weiter. Sie hatte
nämlich den Mann entdeckt, der doch vorhin so schön mit ihr gespielt hatte. Die
Dosen interessierte sie nicht weiter, auf dem Weg zu mir zurück nahm sie kurz
die Nase runter und nahm den geforderten Kontakt auf. Die Richterin sagte: Das
ist abgearbeitet. Ja war es auch für mein Mädchen. Da liegen halt ein paar
Dosen.
Weiter ging es zum nächsten und letzten Reiz, der Jay Jay natürlich auch so
überhaupt nicht interessierte.
Als wir uns das am morgen angeschaut haben und die Vogelscheuche erblickten,
haben wir uns mehr oder weniger alle ein wenig erschrocken als das Ding da
plötzlich stand. Jay Jay nicht. Die lief freudig in die Richtung und erkundete
erst einmal wer da schon alles war und wer wo hingepinkelt hat. Im übrigen hat
sie nicht ein einziges Mal irgendwo markiert, außer halt auf der Wiese beim
Ballspielen, wo sie echt musste. Das fällt mir jetzt erst auf. Ich sollte mich
dann zu der Vogelscheuche stellen, damit Jay Jay auch hier Kontakt aufnehmen
kann. Tat sie. Kurz schnüffeln, uninteressant und weiter.

Frau Lamm erklärte uns, dass sie von den menschlichen Gespenstern weg wollen,
weil die alle unterschiedlich sind. Jeder Helfer macht es anders und einige
bedrohen den Hund unbewusst auch regelrecht, was nicht sein soll.
Nun
war Jay Jay fertig und ich habe sie angeleint, damit wir schnell zurück gehen
konnten. Auf dem Weg erzählte mir Sabine Lamm schon mal einiges über ihren
Eindruck von meinem Mädchen, der wohl sehr gut war. Das mein Eindruck gut war,
muss ich wohl nicht erwähnen. Die Beurteilung für den Parcours war für die
optischen und die akustischen Reize gleich. "Nimmt kaum Notiz, interessiert sich
für anderes".
In meinen Augen war Jay Jay die coolste auf dem kompletten
Parcour. Ganz dicht gefolgt von den beiden Flats, die sich auch kaum für die
Sachen interessierten. Die beiden Golden Retriever die teilnahmen waren
diejenigen die jeden Reiz erst einmal heftigst verbellten, die restlichen waren
Labradore und von denen hörte man im Wald vereinzelt mal ein Bellen, das aber
nicht so ausgeprägt war. Fand ich sehr interessant.
Jetzt fielen die
ersten Tropfen und ich brachte schnell die Jay Jay ins Auto um beim letzten
Starter zu helfen. Kaum am Auto, musste ich mich da dann aber auch gleich hinein
setzen, denn für die nächsten 20 Minuten ging die Welt unter. Der Himmel öffnete
seine Schleusen und gab alles. Man konnte kaum einen Meter weit sehen. Nachdem
das Gewitter vorbei war und es "nur" noch regnete, bin ich wieder zurück
gegangen. Die Helfer hatten bereits alles eingepackt und wir fuhren zum Lokal in
dem wir dann unsere Papiere bekamen. Der letzte Hund wurde abgemeldet. Es machte
einfach keinen Sinn. Durch unsere Hektik war der ganz wuschig geworden und es
hatte auch keiner wirklich Lust bei dem Wetter weite zu machen. Was bin ich
froh, dass Jay Jay und ich nicht die letzten waren! Sonst hätten wir es schon
wieder nicht geschafft den Wesenstest zu machen! Aber so ging ja alles gut.
Im Regen fuhr ich also zum Lokal und bekam da dann endlich meinen heiß
ersehnten Kaffee. Eigentlich brauche ich Nachmittags keinen, aber ich war sooooo
müde (immerhin musste ich ja für meine Bedürfnisse schon mitten in der Nacht
aufstehen), dass ich den dringend brauchte. Und der war sogar lecker! Schon nach
kurzer Zeit gab es dann unsere Unterlagen und ich bin mit den Mädels nach Hause
gefahren. Nicht ohne mich vorher noch einmal bei Sabine (nun dutzten wir uns
nämlich nachdem der Test beendet war) für den schön gestalteten Wesenstest zu
bedanken.
Und hier nun noch die zusammenfassende
Wesensbeurteilung:
Erwünschte Eigenschaften
Die 20 Monate alte
Labradorhündin erkundet weiträumig, ausgeprägt, temperamentvoll und
bewegungsfreudig ihre Umwelt. Sie spielt gern. Mit ausgeprägter Ausdauer,
Aufmerksamkeit und Unerschrockenheit läuft sie durch den Test.
Sie
apportiert gern, zeigt ausgeprägt Beuteverhalten und ausdauerndes Tragen.
Zutragen will sie heute nicht. Während des gesamten Testes zeigt sie
ausgeprägtes Spurverhalten. Die Bindung ist eng und vertrauensvoll. Die
Unterordnungsbereitschaft ist ausgeprägt. Sie ist jederzeit bereit mit ihrem
Frauchen zusammenzuarbeiten.
Sie geht gern auf Spielaufforderungen ein
und nimmt auch gern wenn auch kurz, Körperkontakt auf. Die einengenden
Situationen belasten sie kaum.
Sie ist schussfest.
Im Parcours
ist sie sicher, nimmt kaum Notiz. Auch hier ist sie immer mit der Nase am Boden
unterwegs.
Unerwünschte
Eigenschaften
---
Bemerkungen
Eine bewegungsfreudige,
freundliche Hündin, die den Test sicher durchläuft und ständig mit der Nase
arbeitet.
Bestanden: Ja
Der Tag hat mir und Jay Jay ganz viel Spaß gemacht!